Evangelische Gemeinde zu Beirut


| Gottesdienst | Gemeindeleben | Syrien| Kinder | Gemeindeleitung |

Zur Geschichte der Gemeinde

Was die »Evangelische Gemeinde zu Beirut«, wie sie offiziell heißt, auszeichnet, war schon mit ihrer Gründung angelegt. Man nannte sich bewusst »evangelisch« und legte sich damit auf das Evangelium und nicht auf eine Nationalität oder eine der unterschiedlichen reformatorischen Kirchen fest.

Gegründet im Jahr 1856 und damit älter als viele Gemeinden zum Beispiel in Berlin, gehörte sie der preußischen Landeskirche an, zeigte aber von Beginn an eine internationale Ausrichtung: Die 49 Gründungsmitglieder kamen aus der Schweiz, Frankreich sowie Deutschland und brachten ihre reformierte, lutherische und unierte Tradition ein. Bis zu den Zerwürfnissen im Gefolge der beiden Weltkriege wuchs die Gemeinde stetig. Dabei hatte die Rolle Frankreichs als Mandatsmacht im Libanon unter anderem zur Folge, dass die Kirche, die im Sommer 1939 fertiggestellt war, im Jahr 1955 zum ersten Mal für einen Gottesdienst genutzt werden konnte - von der nun ausschliesslich deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde.

Heute zählt die Gemeinde 120 eingetragene Mitglieder, zumeist mit Libanesen verheiratete Frauen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich und spiegelt in dieser Zusammensetzung viel von der Geschichte des Landes wider.
Wenn sich ein Mitglied der Gemeinde vorstellt, hört sich das ungefähr so an: »Mein Name ist N.N., ich lebe seit 30, 40, 50… Jahren im Libanon, während des Bürgerkriegs war ich nur so und so viele Jahre nicht im Libanon (oder: die ganze Zeit im Land). Mein Ältester lebt in Frankreich, meine Tochter in Dubai, die beiden jüngsten in Kanada.«

Eine solche Vorstellung bekommt man aber nicht nur von Christinnen und Christen zu hören - alle Religionsgruppen sind von der Auswanderung ihrer Kinder betroffen. Sie verlassen das Land entweder schon zur (universitären) Ausbildung - oder spätestens auf Suche nach einem Arbeitsplatz. Eine ebenfalls wichtige Rolle spielen auch Fragen der Sicherheit. Die Ungewissheit über die mögliche Entwicklung ist mit dafür verantwortlich, dass es kaum noch »Expats« im Libanon gibt, Fachkräfte also, die meist zusammen mit ihren Familien für eine gewisse Zeit von Firmen und Institutionen ins Land entsandt werden. Im klaren Unterschied zu anderen deutschsprachigen Auslandsgemeinden prägt diese Tatsache das Gesicht der Gemeinde - im Hinblick auf ihre Zusammensetzung, ihre innere Dynamik und ihre Zukunftsaussichten.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Eine kirchlich ausgerichtete Kinder- und Jugendarbeit ist seit dem Bürgerkrieg nicht mehr möglich, denn es gibt keinen »Bedarf«. In vier Jahren hatte ich drei Konfirmanden, wovon zwei in Damaskus wohnten, ihr Vater war Botschaftsangehöriger. Aber es treffen sich Kinder in der Gemeinde: ein Mal in der Woche im überkonfessionell und multilingual konzipierten Kindertreff. Und das ist in einem Land, in dem die Religionszugehörigkeit nur allzu oft die sozialen Kontakte und den Freundeskreis auch von Kindern bestimmt, etwas sehr Besonderes. Darüber hinaus erreicht die Gemeinde viele deutschsprachige Menschen. Trotz Bürgerkrieg und extrem schwierigen Zeiten hat sie als Hort für deutschsprachige Menschen im Libanon überlebt. Das hat viel mit ihrer diakonisch-sozialen Arbeit zu tun.

Das soziale Engagement der Evangelischen Gemeinde zu Beirut reicht bis in ihre Anfänge zurück. 1860 verübten Drusen im Libanongebirge ein Massaker an Christen und viele Christen fanden in der Gemeinde Zuflucht und Hilfe.
1965 gründete die Gemeinde einen Sozialfonds als Nothilfe für Kranke und Alte. Seit 1966 existiert die Sozialkommission und im Jahr 1971 beschloss die Gemeindeversammlung, eine hauptamtliche Kraft einzustellen, weil die Freiwilligen die Arbeit nicht mehr bewältigen konnten. Im März 1973 fing dann die erste in Österreich ausgebildete Sozialarbeiterin in dieser Stelle an.

Während der Bürgerkriegsjahre 1975 bis 1990 war die Gemeinde ein Zufluchtsort für (zumeist deutschsprachige) Menschen, die Angehörige im Krieg verloren hatten oder flüchten mussten. Als der Pfarrer aus Sicherheitsgründen das Land verlassen musste, führte die Sozialarbeiterin die Arbeit alleine weiter. Während der Bombardierungen und den Straßenkämpfen diente der Keller des Gemeindezentrums als Schutzraum für alle Menschen aus der Nachbarschaft - Gemeindemitgliedern und anderen, Moslems und Christen.

Heute bilden die älter werdenden deutschsprachigen Frauen, die mit Libanesen verheiratet oder nun verwitwet sind und teilweise schon viele Jahrzehnte hier leben, die wichtigste Zielgruppe der Arbeit. Viele sind durch den Bürgerkrieg verarmt und insbesondere die medizinische Versorgung stellt ein großes Problem dar, denn eine Gesetzliche Krankenkasse wie in Deutschland gibt es nicht. Private Krankenversicherungen sind teuer und werden jährlich erneuert. Dabei fallen oft Krankheiten, die im Laufe des Jahres behandelt werden mussten, aus dem Versicherungskatalog!
Die Tatsache, dass viele Libanesen während des Bürgerkriegs nach Deutschland geflohen waren, führte später dazu, dass manche nun mit ihren Kindern mehr oder weniger freiwillig zurückkehrten. Auch kamen und kommen jüngere Frauen mit ihren libanesischen Männern, die sie in Deutschland (oder der Schweiz oder Österreich) geheiratet hatten, in den Libanon - oft ohne zu wissen, dass es im Libanon kein staatliches Zivil-, Familien- und Personenstandsrecht gibt, sondern sich alle Angelegenheiten, die das Kindeswohl, Scheidung und Sorgerecht, Erbrecht etc. betreffen, nach den Regeln derjenigen Religionsgemeinschaft richten, der der Mann angehört - und alle Religionsgemeinschaft sind sehr konservativ und frauenfeindlich, egal ob christlich oder muslimisch. Nicht selten kommt es zu großen Konflikten in der Familie, Gewalt(androhung) gegen Frauen und Kinder und zu Kindesentführung durch den Vater. Aber auch junge Frauen libanesischer Herkunft, die in Deutschland aufgewachsen sind und jetzt in den Libanon verheiratet werden sollen oder mit einem Libanesen verheiratet sind, wenden sich hilfesuchend an die Gemeinde.

Dazu steigen in letzter Zeit die Anfragen von Flüchtlingen aus Syrien nach Unterstützung.
Nachdem anfänglich eine große Bereitschaft bestanden hatte, den Flüchtlingen zu helfen (viele Libanesen waren während des libanesischen Bürgerkriegs selbst Flüchtlinge in Syrien), kippt nun die Stimmung. Auch, weil Betteln und Kriminalität zugenommen hat. Eine Veränderung zum Guten ist nicht in Sicht - eher das Gegenteil. So ist insgesamt das bereits vorhandene Grundgefühl der Unsicherheit mit der Entwicklung in Syrien und daraus folgend im Libanon weiter gewachsen.
All das intensiviert den Bedarf an Unterstützung, vor allem auch materieller Art, für unsere Soziale Arbeit.

Pfr. Jonas Weiß-Lange, Evangelische Gemeinde zu Beirut.

Für die Gemeindearbeit im Libanon und für die Unterstützung von syrischen Flüchtlingen bitten wir um Mithilfe: Ev. Gemeinde zu Beirut, Konto-Nr. 6428673, BLZ 52060410 bei der Evangelische Bank eG IBAN DE92520604100006428673 BIC GENODEF1EK1


| Impressum - Adressen | | home |